Theater



"Mit dem Taxi durch die Zeit"

Eine Rezension von Niko Hass

Zeitreisen? Das gibt's doch gar nicht, ist doch eine Erfindung für Märchen und sonstige Geschichten. Oder kann man das vielleicht doch: durch die Zeit reisen? Also – ganz ehrlich – in der Realität ist das natürlich nicht möglich. So wird es sich der geneigte Leser sicher schon gedacht haben. Aber wer zwischen dem 27. und dem 29. September 2013 das Neue Theater Espelkamp besucht hatte, konnte sich auf eine gefühlte und musikalische Zeitreise mitnehmen lassen. Im erwähnten Theater wurde nämlich ein neues Musical von Sabine Matthäus aufgeführt unter dem Titel "Mit dem Taxi durch die Zeit" – eine spannende, witzige und sehr emotionale Story, so richtig aus dem Leben des modernen Homo Sapiens gegriffen, der heute ohne iPad, Tablet-PC, WhatsApp und Internet einfach nicht mehr klarzukommen scheint. Oder vielleicht doch? Lesen wir weiter.

Der Schüler Niklas (Niklas Ortmann) lebt in einer ganz normalen Familie mit Papa (Dominic Iqbal), Mama (Vivienne Bussmann), seiner Schwester Ann-Kathrin (Ann-Kathrin Merle/Marie Zulewski) seinem Bruder Karlchen (Jeremia Reifenscheid) und Opa Hubert (Philip Spreen). Er geht in eine Schule, die in den Ruinen einer alten Burg erbaut worden war, und besitzt wie fast jeder ein Handy, das sein "bester Freund" ist und ihn so sehr beschäftigt, dass er in der Schule nicht aufpasst und dauernd Stress mit seiner Lehrerin (Carina Dyck) hat, weil er nie Antworten auf ihre Fragen findet. Er ist bereits so sehr abhängig vom Handy, dass selbst seine Freunde (Leon Griese und Mücahit Celik) versuchen, ihn vom Spielen einer neuen Zeitreise-App abzuhalten, damit er nicht seinen Bus nach Hause verpasst. Vergebens. Er spielt, verpasst den Bus und – befindet sich plötzlich mitten im Spiel.




Spielleiterin Rosanna (Rosanna Matthäus) erklärt die Regeln, und schon geht es mit dem Zeittaxi los. Niklas reist weit zurück in die Epoche der Dinosaurier, in der es bekanntlich keine Handys und kein Netzempfang gab, was ihn zunächst wundert. Von dort geht es zur Steinzeit und danach ins Mittelalter. Um weiterreisen, sprich: das nächste Level des Spiels erreichen zu können, muss er in jeder Epoche jemandem bei etwas helfen. Und er begegnet in fast jeder Epoche Vorfahren seiner Familie. Im Mittelalter angekommen trifft er Luisa, ein Burgfräulein (Luisa Stockmann), schafft es mit Hilfe seines Handys, Luisa aus dem Turmgefängnis einer Burg (seiner heutigen Schule) und den Händen des Ritters Dieter des Schrecklichen (Keanu Reimler) zu befreien und – verliebt sich in sie. Luisa, in tiefer Dankbarkeit ob ihrer Rettung, erwidert Niklas' Liebe, und gemeinsam geht es weiter in die Zeit Mozarts nach Salzburg.




Beide kommen gerade rechtzeitig zur Uraufführung der "Kleinen Nachtmusik", über deren Titel Mozart (Leon-Raphael Warmann) sich noch nicht recht klar ist. Aber dank Niklas' Hilfe findet er den endgültigen Titel der Musik. Und so dürfen Niklas und Luisa das nächste Level im Spiel beginnen: bei Albert Einstein (Philip Weiss), der über seiner Relativitätstheorie, dem Verhältnis zwischen Raum und Zeit, sehr angestrengt grübelt. Dank Niklas findet Einstein am Ende die Lösung, und schon geht es weiter: in die Hippie-Zeit zu Flower Power, wo Niklas seine Großeltern als junge Leute trifft, herausfindet, wie sie ein Paar wurden, und feststellt, dass Opa Hubert früher gar nicht so ein braver Junge war, wie er es ihm gegenüber immer behauptet hat. Schließlich kommen Luisa und Niklas wieder in der heutigen Zeit an, wenn auch etwas später als eigentlich berechnet.

Niklas gelingt es, Opa Hubert einen gehörigen Schrecken einzujagen, als er ihm von dessen Jugendzeit erzählt, denn Opa Hubert hatte nie ein Wort darüber verloren und wundert sich, woher Niklas das alles weiß. An diesem Punkt könnte die Zeitreise zu Ende sein, jedoch die im Spiel gesammelten Bonuspunkte ermöglichen es Luisa und Niklas, um 200 Jahre in die Zukunft zu reisen. Weil Luisa sich in Niklas' moderner Zeit überhaupt nicht wohlfühlt (laute Autos, graue Straßen und Wände), reisen beide ein letztes Mal los, um in der Zukunft festzustellen, dass Niklas' Schule und seine ganze Heimat von Wasser überflutet sind. Offenbar hat die Klimakatastrophe mit all ihren Schrecken eingesetzt. Luisa und Niklas beschließen, zurückzureisen in Niklas' Zeit, um die Menschen vor diesem Unglück zu warnen.

Dieses Mal gelingt die punkt- und zeitgenaue Rückreise genau dorthin, wo Niklas das Spiel begonnen hat. Trotz der glücklichen Ankunft hat die Reise für Niklas kein wirkliches Happy End. Luisa weiß, dass sie nicht in seiner Zeit würde leben können, und beide nehmen voneinander trotz ihrer Liebe Abschied. Damit Luisa wieder ins Mittelalter zurück kann, schenkt Niklas ihr sein Handy mit der Zeitreise-App. Fast unglaublich: Er verzichtet aus Liebe zu Luisa auf sein Handy. Kaum ist Luisa verschwunden, findet sich Niklas wieder neben der Bank, auf der er bei Beginn des Spiels saß, und stellt fest, dass er geträumt hatte. Doch seltsam: Es erscheint Anna Louise (Luisa Stockmann), die Luisa aus dem Mittelalter sehr ähnlich sieht und ihm ein Geschenk macht, das sie, über Generationen vererbt, von ihrer Vorfahrin, dem Burgfräulein Luisa, erhalten hat. Und siehe da: Niklas findet sein Handy im Päckchen! Sind Zeitreisen also vielleicht doch möglich? Das Musical endet mit dem Song "Liebe gilt für alle Zeit".


Die Botschaft? "Mit dem Taxi durch die Zeit" ist ein Musical, das nicht nur unterhält, sondern auch in Handlung und Sprachwitz die Themen unserer Zeit aufgreift und, eingepackt in die Story, mit einem leichten ironischen Lächeln uns Menschen einen Spiegel vorhält. Nicht nur "DSDS" oder der Wahn von ewiger Schönheit und Jugend bekommen ihr Fett weg. Nicht nur unser Alltag wird im Zeit-Song als hektisch entlarvt ("Nehmt euch doch mehr Zeit"). Nicht nur die immer stärker werdende Abhängigkeit der jungen Generation von Handys wird angeprangert, sondern es wird auch daran erinnert, dass man sein Leben gut und sinnvoll gestalten kann, wenn man es nur will ("Träume werden nur wahr, ist dein Wille da"), dass Werte wie Liebe oder für einander da zu sein oder auch der Respekt vor Mensch und Natur keine hohlen Phrasen sein müssten und im Gegenteil gelebt werden sollten. Der Hinweis auf die Klimaveränderung mag als eindringliche Warnung an uns alle interpretiert werden.

Dank gilt allen Akteuren vor, auf und hinter der Bühne, allen Schauspielern, Musikern, Chor, Schulband, den Tonleiterspatzen, den Helfern an der Technik und bei der Organisation, ohne die das alles nicht hätte verwirklicht werden können. Bravo!

Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt, denn "Nach dem Musical ist vor dem Musical ...".








„Mit dem Taxi durch die Zeit“


Das neue Musical der Birger-Forell-Realschule und der Tonleiterspatzen in

NEUEN THEATER in Espelkamp

Nach vierjähriger "Musicalpause" ist es endlich wieder soweit!
Die Schülerinnen und Schüler der Birger-Forell-Realschule Espelkamp proben gemeinsam mit den Tonleiterspatzen aus Rahden ein neues Bühnenstück, das Sabine Matthäus für sie geschrieben hat. Wie immer werden auch viele ehemalige Musiker/innen und Darsteller/innen aus den letzten Musicals dabei sein.
Im Mittelpunkt steht Niklas, der nicht eine Sekunde ohne sein Handy sein kann, sehr zum Ärger seiner Eltern und seiner Lehrerin. Doch auch seine Klassenkameraden finden, dass er es langsam übertreibt, wenn er sich eine App
nach der anderen herunterlädt. Seine neueste Errungenschaft auf dem Handy ist ein Zeitreisespiel - eine App, mit der man durch die Zeit reisen und Punkte sammeln kann. Und weil sich Niklas so sehr auf sein Handy konzentriert und die Welt um sich herum vergisst, passiert es plötzlich, dass er mitten in das Spiel hineingerät. Vor ihm hält Rosannas Zeittaxi und er steigt ein und findet sich plötzlich im Land der Dinosaurier wieder. Dort muss er entsetzt feststellen, dass er keinen Empfang hat.



Es gibt natürlich ein paar schöne Momente fürs Herz - die Zuschauer können auch eine Liebesgeschichte erleben, denn in der Ritterzeit gibt es das hübsche Burgfräulein Luisa, das Niklas nicht mehr aus dem Kopf geht; natürlich hat da auch Amor seine Hand im Spiel.
In diesen unterschiedlichen Zeitepochen werden  auch verschiedene Musikstile von Rockmusik bis Klassik, von Sprechgesängen bis hin zum „Gangnam-Style“-Stil dargeboten. Es gibt fetzige Lieder, aber auch langsame Balladen.
Was Niklas auf seiner Reise so alles erlebt, was aus ihm und dem Burgfräulein wird und ob er wieder nach Hause kommt, das könnt ihr erfahren, wenn ihr unser Musical besucht.
Sabine Matthäus und ihre Schüler/innen freuen sich auf die Zuschauer.
Die Aufführungen finden zu den folgenden Terminen in NEUEN THEATER in ESPELKAMP statt:

Freitag, 27.September 2013 um 19.00 Uhr
Samstag, 28. September 2013 um 19.00 Uhr
Sonntag, 29.September 2013 um 15.00 Uhr

Die Karten kosten 7,- € für Erwachsene und 4,- € für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Karten gibt es an der Abendkasse (bzw. am Sonntag an der „Nachmittagskasse“). Sie können aber auch übers Internet unter www.tonleiterspatzen.de oder telefonisch unter 0175/8553315 vorbestellt werden.
Besuchen Sie auch die Facebook-Seite „Mit dem Taxi durch die Zeit“.


"Traumticket" - Sie begegnen sich zufällig

Ein Theaterprojekt der Birger-Forell-Realschule im Rahmen von „Kultur und Schule“
Die Theatergruppe der Klassen 9/10 lädt zum Theaterabend am 20. Juni 2012 um 19.30 Uhr in die Aula der Birger-Forell-Realschule ein. Unter der Leitung der Theaterpädagogin Julia Beinlich hat die Gruppe das Stück „Traumticket“ entwickelt.
Zum Inhalt des Stückes: Junge Menschen. Ein Ort. Sie sind unterwegs. Woher kommen sie? Wohin wird sie ihre Reise bringen? Jugendliche begegnen sich zufällig. Jeder mit seiner eigenen Biografie und Träumen. Plötzlich und unbemerkt werden sie zu Visionären.
Die Gruppe freut sich, wenn sie auf ihrer Reise begleitet werden.

Rezension von Niko Hass:

Es ist schon erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln heutzutage Theater gespielt werden kann. Da dreht man einfach die Bestuhlung des Zuschauerraumes um neunzig Grad nach rechts, baut eine zusätzliche Stuhlreihe, ausgerichtet auf den Ausgang, auf und fertig ist die Kulisse: der Bahnsteig einer Station irgendwo in Deutschland. Die Akteure? Die Theater-AG der Birger-Forell-Realschule, alles Schülerinnen und Schüler des 9. und 10. Jahrganges. Das Stück? Nun, wer seinen Titel oberflächlich liest, mag vielleicht schon ahnen, dass er möglicherweise etwas mit "Traumfabrik" und "Hollywood" zu tun hat. Doch weit gefehlt! Schon sehr schnell wird klar, dass es sich bei diesem Theaterstück um kein gewöhnliches Stück handelt: keine Action, keine dem amerikanischen Muster entlehnten Knalleffekte, nichts, was im Entferntesten an die in Kalifornien beheimatete Filmindustrie erinnert. Im Gegenteil: im Verlauf des Abends entwickelt sich ein Stück, das uns mitnimmt auf eine Reise ins Ich. Sechzehn Schülerinnen und Schüler warten an einem imaginären Bahnsteig auf einen ebenso imaginären Zug, der nie kommen wird. Dabei erleben sie gewissermaßen eine Innenschau: Ihre Gedanken, ihre Gefühle, Wünsche, Träume werden vor den Augen des Publikums quasi Wirklichkeit, um gleich darauf wieder zu zerplatzen, sich zu entfernen, zu verblassen. Und dies geschieht in schöner Regelmäßigkeit. Dabei macht "Traumticket" alltägliche Dinge zum Thema, die jeder von uns in der einen oder anderen Form oft erlebt hat: Liebe, Streit, Hoffnungslosigkeit, Zukunftsträume, Hoffnungen und Wünsche, Ängste und überschwappende Freude. Wir Zuschauer erleben eine Hochzeit, einen Ehekrach, die Vermarktung eines neuen Buches, die Gesellschaft im Strudel des Konsumrausches, ein Interview mit einem Rockmusiker, eine Zirkusvorstellung, Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, die Sehnsucht nach Freiheit von Stress und Ärger, den Wunsch nach Veränderung. Insofern ist "Traumticket" ein Spiegel der eigenen Seele. Darüber hinaus sprengt das Stück den Rahmen des Mainstream-Theaters, es geht ins Experimentelle, ohne allzu gewagt zu wirken. Die verschiedenen Traumbilder werden immer wieder durch die einrahmende Situation der am Bahnsteig Wartenden unterbrochen, begleitet von bahnhoftypischen Szenen und Durchsagen. Gibt es ein Happy End? In gewisser Weise ja: Alle Reisende und die für die Bahnsteigdurchsagen zuständige Angestellte steigen am Ende des Stückes in einen bereit stehenden Zug – die schon erwähnte Stuhlreihe – und beschreiten dadurch symbolisch ihren ganz persönlichen Weg der Veränderung.
"Traumticket" ist eine Gemeinschaftsproduktion der Theater-AG der Birger-Forell-Realschule und Julia Beinlich mit Ulla Beinlich, dieses Mal als Assistentin. Der gesamten Gruppe ist es gelungen, ein Stück der leisen Töne mit sehr viel Tiefgang auf die Bühne zu bringen. Dafür gebührt ihnen aller Respekt und alle Hochachtung. Ein gelungener Abend. Bravo!

Pressespiegel

Der Löwe war los! - Theaterstück der Klassenstufen 5 und 6

Mit Temperament und Spielfreude begaben sich am 1. Juni dreizehn junge Darstellerinnen der Theater-AG der Birger-Forell-Realschule mit ihrer Spielleiterin Katrin Tiemann auf eine unterhaltsame Löwenjagd voller Pointen. Ein Jahr lang  hatten sie in der Freizeit geprobt. Das Publikum in der Aula war begeistert,  als  man schließlich statt des Königs der Savanne den Herrscher des Rathauses, einen tollpatschigen Bürgermeister, zur Strecke brachte. „Der Löwe ist los“, ein Kindertheaterstück von Peter Tiemann, begann dramatisch: Kreischende Bürger auf dem Marktplatz, Panik im Rathaus. Balthasar, bis dahin Löwenattraktion im Wanderzirkus Trampolini, stirbt einen friedlichen Manegentod. Tonio, Artist im Zirkus, setzt jedoch das Gerücht in Umlauf, der Löwe sei entlaufen. Da in Niederottenbach gerade Wahlkampf herrscht, unternehmen die Politiker nun alles, den entlaufenen Balthasar einzufangen, um mit der Beute auf Stimmenfang zu gehen.
Der Bürgermeister setzte gekonnt Akzente, während Bürger, Presseleute und  Zirkuspersonal den oft anspruchsvollen Text beherrschten und die Lacher im Publikum auf ihrer Seite hatten. Mit sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzten Kulissen, gestaltet vom Französischkurs 7fs im Kunstunterricht,  konnten Zirkusatmosphäre und Löwenangst in der Aula der Realschule aufkommen.
Die Darstellerinnen hatten sichtlich Spaß an ihrem Spiel. Das Publikum quittierte die gelungene Aufführung mit großem Schlussapplaus.
Katrin Tiemann (Text und Fotos)