Theater - Traumticket

"Traumticket" - Sie begegnen sich zufällig

Ein Theaterprojekt der Birger-Forell-Realschule im Rahmen von „Kultur und Schule“
Die Theatergruppe der Klassen 9/10 lädt zum Theaterabend am 20. Juni 2012 um 19.30 Uhr in die Aula der Birger-Forell-Realschule ein. Unter der Leitung der Theaterpädagogin Julia Beinlich hat die Gruppe das Stück „Traumticket“ entwickelt.
Zum Inhalt des Stückes: Junge Menschen. Ein Ort. Sie sind unterwegs. Woher kommen sie? Wohin wird sie ihre Reise bringen? Jugendliche begegnen sich zufällig. Jeder mit seiner eigenen Biografie und Träumen. Plötzlich und unbemerkt werden sie zu Visionären.
Die Gruppe freut sich, wenn sie auf ihrer Reise begleitet werden.

Rezension von Niko Hass:

Es ist schon erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln heutzutage Theater gespielt werden kann. Da dreht man einfach die Bestuhlung des Zuschauerraumes um neunzig Grad nach rechts, baut eine zusätzliche Stuhlreihe, ausgerichtet auf den Ausgang, auf und fertig ist die Kulisse: der Bahnsteig einer Station irgendwo in Deutschland. Die Akteure? Die Theater-AG der Birger-Forell-Realschule, alles Schülerinnen und Schüler des 9. und 10. Jahrganges. Das Stück? Nun, wer seinen Titel oberflächlich liest, mag vielleicht schon ahnen, dass er möglicherweise etwas mit "Traumfabrik" und "Hollywood" zu tun hat. Doch weit gefehlt! Schon sehr schnell wird klar, dass es sich bei diesem Theaterstück um kein gewöhnliches Stück handelt: keine Action, keine dem amerikanischen Muster entlehnten Knalleffekte, nichts, was im Entferntesten an die in Kalifornien beheimatete Filmindustrie erinnert. Im Gegenteil: im Verlauf des Abends entwickelt sich ein Stück, das uns mitnimmt auf eine Reise ins Ich. Sechzehn Schülerinnen und Schüler warten an einem imaginären Bahnsteig auf einen ebenso imaginären Zug, der nie kommen wird. Dabei erleben sie gewissermaßen eine Innenschau: Ihre Gedanken, ihre Gefühle, Wünsche, Träume werden vor den Augen des Publikums quasi Wirklichkeit, um gleich darauf wieder zu zerplatzen, sich zu entfernen, zu verblassen. Und dies geschieht in schöner Regelmäßigkeit. Dabei macht "Traumticket" alltägliche Dinge zum Thema, die jeder von uns in der einen oder anderen Form oft erlebt hat: Liebe, Streit, Hoffnungslosigkeit, Zukunftsträume, Hoffnungen und Wünsche, Ängste und überschwappende Freude. Wir Zuschauer erleben eine Hochzeit, einen Ehekrach, die Vermarktung eines neuen Buches, die Gesellschaft im Strudel des Konsumrausches, ein Interview mit einem Rockmusiker, eine Zirkusvorstellung, Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, die Sehnsucht nach Freiheit von Stress und Ärger, den Wunsch nach Veränderung. Insofern ist "Traumticket" ein Spiegel der eigenen Seele. Darüber hinaus sprengt das Stück den Rahmen des Mainstream-Theaters, es geht ins Experimentelle, ohne allzu gewagt zu wirken. Die verschiedenen Traumbilder werden immer wieder durch die einrahmende Situation der am Bahnsteig Wartenden unterbrochen, begleitet von bahnhoftypischen Szenen und Durchsagen. Gibt es ein Happy End? In gewisser Weise ja: Alle Reisende und die für die Bahnsteigdurchsagen zuständige Angestellte steigen am Ende des Stückes in einen bereit stehenden Zug – die schon erwähnte Stuhlreihe – und beschreiten dadurch symbolisch ihren ganz persönlichen Weg der Veränderung.
"Traumticket" ist eine Gemeinschaftsproduktion der Theater-AG der Birger-Forell-Realschule und Julia Beinlich mit Ulla Beinlich, dieses Mal als Assistentin. Der gesamten Gruppe ist es gelungen, ein Stück der leisen Töne mit sehr viel Tiefgang auf die Bühne zu bringen. Dafür gebührt ihnen aller Respekt und alle Hochachtung. Ein gelungener Abend. Bravo!

Pressespiegel

Der Löwe war los! - Theaterstück der Klassenstufen 5 und 6

Mit Temperament und Spielfreude begaben sich am 1. Juni dreizehn junge Darstellerinnen der Theater-AG der Birger-Forell-Realschule mit ihrer Spielleiterin Katrin Tiemann auf eine unterhaltsame Löwenjagd voller Pointen. Ein Jahr lang  hatten sie in der Freizeit geprobt. Das Publikum in der Aula war begeistert,  als  man schließlich statt des Königs der Savanne den Herrscher des Rathauses, einen tollpatschigen Bürgermeister, zur Strecke brachte. „Der Löwe ist los“, ein Kindertheaterstück von Peter Tiemann, begann dramatisch: Kreischende Bürger auf dem Marktplatz, Panik im Rathaus. Balthasar, bis dahin Löwenattraktion im Wanderzirkus Trampolini, stirbt einen friedlichen Manegentod. Tonio, Artist im Zirkus, setzt jedoch das Gerücht in Umlauf, der Löwe sei entlaufen. Da in Niederottenbach gerade Wahlkampf herrscht, unternehmen die Politiker nun alles, den entlaufenen Balthasar einzufangen, um mit der Beute auf Stimmenfang zu gehen.
Der Bürgermeister setzte gekonnt Akzente, während Bürger, Presseleute und  Zirkuspersonal den oft anspruchsvollen Text beherrschten und die Lacher im Publikum auf ihrer Seite hatten. Mit sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzten Kulissen, gestaltet vom Französischkurs 7fs im Kunstunterricht,  konnten Zirkusatmosphäre und Löwenangst in der Aula der Realschule aufkommen.
Die Darstellerinnen hatten sichtlich Spaß an ihrem Spiel. Das Publikum quittierte die gelungene Aufführung mit großem Schlussapplaus.
Katrin Tiemann (Text und Fotos)